29.11.2017

Die Baubegleitung

Thomas Schwarzer erläutert Inhalte, Vorteile und Fördermöglichkeiten

Bei ENEO wird der zweite Teilbetrag nach Umsetzung mindestens einer empfohlenen energetischen Sanierungsmaßnahme aus dem Energiegutachten ausbezahlt. Wer die Umsetzung einer energetischen Sanierungsmaßnahmen plant, stolpert auf kurz oder lang auch über die KfW-Förderung „Energieeffizient Bauen und Sanieren - Zuschuss Baubegleitung“. Die Förderung wird nur zugesagt, wenn man eine/n Energieeffizienzexpert*in als Baubegleiter*in beauftragt.

Warum das so ist, erklärt Energieberater Thomas Schwarzer im Interview.

Herr Schwarzer, warum wird eine Baubegleitung gerade bei einer energetischen Sanierung so dringend empfohlen bzw. von der KfW auch verlangt?

Die energetische Sanierung ist ein spezieller Bereich bei einer Baumaßnahme. Sie muss nach exakten energetischen Vorgaben erfolgen, deren Einhaltung eine Baubegleitung sicherstellt. Das ist vor allem für den Erhalt einer KfW-Förderung wichtig.

Was genau beinhaltet eine Baubegleitung bei einer energetischen Sanierung?

Die Aufgaben lassen sich in drei Bereiche teilen:

1. Im Vorlauf einer Baumaßnahme

unterstützt ein/e Baubegleiter*in bei der Erstellung der Angebotsabfrage bzw. des Pflichtenhefts, das alle Einzelheiten der geplanten Maßnahmen beinhaltet. Dabei prüft die/der Baubegleiter*in, ob die ausgeschriebenen Leistungen konform mit den technischen Merkmalen der KfW sind und kann auch passende Formulierungen geben.

Zusätzlich kann die/der Baubegleiter*in auch planerische Angaben erstellen, wie z. B. Berechnungen des Rohrnetzes, der Solaranlage oder der Heizlast.

Es geht aber natürlich auch, dass man die Ausschreibung des Auftraggebers bekommt und sie dann bezüglich der energetischen Merkmale der KfW Fördervoraussetzungen überprüft.

Dann müssen Anbieter gesucht werden, die das durchführen. Bei der Angebotsauswertung und Entscheidung für einen Anbieter kann ebenfalls der Baubegleiter unterstützen.

2. Während der Durchführungsphase

prüft die/der Baubegleiter*in, ob die in der Ausschreibung vorgegebenen Parameter mit der tatsächlichen Ausführung übereinstimmen. Das bedeutet für die/der Energieberater*in, dass er die angelieferten Materialien und die Ausführung der Maßnahmen – z. B. hinsichtlich der Dicke des aufgetragenen Putzes oder der Dichtigkeit der Dampfsperre – prüft.

3. Als letztes folgt die Dokumentation.

Hier erstellt die/der Energieberater*in eine Hausakte, wo sich alle energetisch relevanten Sachen zusammengefasst wiederfinden:

  • die Ausschreibung der Maßnahmen
  • Fotos der Materialien und der Kontrollen während der Umsetzung
  • Weitere Maßnahmen zur Qualitätskontrolle (z. B. Thermografie-Bilder)
  • Herstellerbescheinigungen
  • Unternehmererklärungen, dass die Dienstleister alle Arbeiten nach den vorliegenden Gesetzen, Normen und Vorgaben erfüllt haben.

Das bekommt der Bauherr. Und damit kann er nachweisen, dass alles regelkonform durchgeführt wurde.

Inwiefern unterscheidet sich die Baubegleitung von der Bauleitung?

Die Baubegleitung ist eine von der KfW geförderte Leistung, bei der ein/e Energieberater*in die Qualität der energetischen Sanierung sicherstellt. Das können aber nur Teile eines großen Baupaketes sein.

Ein/e Bauleiter*in verantwortet meist eine komplette Baustelle mit allen Maßnahmen eines Um- oder Neubaus. Er/sie könnte natürlich auch die Baubegleitung übernehmen. Diese Person muss dann aber auch für die Förderprogramme des Bundes als Energieeffizienzexperte*in gelistet sein; also spezielle Expertise im Bereich energetischer Maßnahmen haben.

Muss ich alle Aufgaben von der/vom Energieberater*in übernehmen lassen oder kann ich auch etwas selbst übernehmen, um Geld zu sparen?

Grundsätzlich ja. Jedoch ist die Übernahme von Aufgaben der Baubegleitung nur beschränkt möglich. Z. B. können Sie die Angebotseinholung selbst übernehmen. Wichtig ist aber immer, dass die/der Baubegleiter*in bei der energetischen Sanierung die Inhalte der Ausschreibung sowie die Umsetzung auf Gesetzeskonformität prüfen muss.

Insbesondere bei der Umsetzung von Maßnahmen sind Eigenleistungen möglich, so lange es fachmännisch erfolgt. Aber dann muss die/der Energieberater*in auch doppelt so gut und oft hinsehen, um die korrekte Umsetzung zu prüfen. Und auch bei der Förderung der energetischen Sanierung wird dann nur das Material gefördert, da es kein Fachmann umgesetzt hat.

Wer haftet dann bei mangelhafter Umsetzung?

Bei der Baubegleitung haftet die umsetzende Firma. Denn diese gibt eine Unternehmererklärung ab, dass der Auftrag DIN-gerecht und nach den Vorgaben des Auftraggebers umgesetzt wird. Auch hierzu berät die/der Energieberater*in.

Wann muss ich denn dann die/den Energieberater*in im Bauprozess beauftragen?

Im besten Fall schon vor Beginn, um die korrekte Angebotsvergabe sicherzustellen. Es gab auch schon spätere Beauftragungen, aber da muss man dann schauen, was man noch machen kann, wenn man das Material nicht mehr prüfen kann oder der Putz schon drauf ist. Das kann im schlimmsten Fall dann eben zur Mittelrückzahlung an die KfW führen.

Und wie lange sollte die Vorlaufzeit bei der Beauftragung einer Energieberaterin / eines Energieberaters sein?

Das hängt von der Hausgröße ab und von der schon erfolgten Arbeit wie Angebote einholen – vorausgesetzt die Angebote sind den Vorschriften entsprechend. Mindestens sollte man jedoch drei Monate Zeit für die Umsetzung haben, wenn man die/den Energieberater*in kontaktiert.

Das Aufgabenpaket einer Baubegleitung klingt teuer. Wie viel Geld muss ich dafür noch zusätzlich einkalkulieren?

Das ist natürlich auch sehr davon abhängig, was die/der baubegleitende Energieberater*in so übernimmt. Wir gehen mal von dem Grundmodell Bau eines Einfamilienhauses mit 120 m2 und der Überwachung aller Maßnahmen von der Angebotsprüfung über die Begutachtung der Ausführungen bis hin zur Dokumentation aus. Dann müssen Sie schon mit ca. 1.800 € netto rechnen. Und wenn das KfW gefördert wird, zahlt der Bauherr nur 50% davon.

Kann ich mich auch als ENEO-Fördernehmer*in zusätzlich von der KfW fördern lassen?

Ja, natürlich, denn es ist ein anderes Aufgabengebiet. Die ENEO-Förderung betrifft ja nur die Erstellung vom Energiegutachten. Die Umsetzung einer Maßnahme mit einer/m Baubegleiter*in ist dann durch die KfW förderfähig.

 

ENEO-Energieberater Thomas SchwarzerZur Person: Thomas Schwarzer ist seit November 2014 Energieberater beim Förderprogramm ENEO. Der studierte Energieverfahrenstechniker ist spezialisiert auf Haustechnik und regenerative Energien. Er berät Eigentümer*innen zur energetischen Sanierung, zum energieeffizienten Neubau und erstellt Energieaudits für Firmen.

10.07.2018 Berliner Förderprogramm ENEO wird 5 Jahre alt - Zuschüsse für Energiegutachten

Energieberatungsprojekt ENEO wird 5 Jahre

Erfolgreiches Förderprojekt zur Gebäudesanierung hat Ziele erreichtseit 2013 jährliche Reduzierung der CO2-Emissionen von über...> Mehr erfahren

07.03.2018

Richtig Lüften und damit Schimmel vermeiden

Tipps und Tricks, die Kosten sparen> Mehr erfahren

23.01.2018

ENEO bis 31.12.2020 verlängert

Berliner Senat beendet Pilotphase des Energieberatungsprojektes und verlängert die Laufzeit um weitere drei Jahre.> Mehr erfahren