06.04.2017

Das Energiegutachten

Peter-Henning Bigge gibt Tipps zu Kosten, Inhalt und Nutzen

Herr Bigge, was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Energiegutachten und einem Energieausweis?

Ein Energieausweis für Wohngebäude gibt Auskunft über die benötigte Energie pro Quadratmeter Wohnfläche für Heizung und Warmwasser für das betreffende Objekt.
Es werden zwei Arten unterschieden:

  • Der Energieausweis nach Verbrauch wird auf Grundlage des tatsächlich nachgewiesenen Energieverbrauchs – mindestens der vergangenen drei Jahre – berechnet.
  • Der Energieausweis nach Bedarf wird auf Grundlage des theoretischen Wärmeverlustes über Dach, Fassaden, Fenster, Keller etc. sowie der installierten Anlagentechnik anhand der eingebauten Bauteile berechnet.

Ein Energiegutachten soll anhand der individuellen Beschaffenheit des Gebäudes sowie der Wünsche des Bauherrn Aufschluss über mögliche energetische Modernisierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle, z. B. an Fassade und Fenster, und der Anlagentechnik, wie der Heizung und Warmwasserbereitung, geben. Darin werden empfehlenswerte Sanierungsmaßnahmen, wie das Dämmen der Fassade mit gleichzeitigen Fenstertausch, und deren grobe Kosten berechnet.

Grundlage für die Berechnungen sind:

  • Baukostentabellen,
  • die bauphysikalischen Eigenschaften der Bauteile sowie
  • erforderliche Modernisierungsvorgaben, z. B nach Energieeinsparverordnung (EnEV), KfW-Vorgaben oder DIN-Normen.

Warum sollte zur Vorbereitung einer energetischen Modernisierung eine Beratung durch einen Energieberater in Anspruch genommen werden?

Viele Eigentümerinnen/Eigentümer modernisieren ihr Gebäude einmal im Leben und müssen dabei entscheiden, welche Maßnahmen in ihrem konkreten Fall die richtigen sind. Und nicht jede Immobilieneigentümerin/jeder Immobilieneigentümer kommt aus einem bautechnischen Beruf und bringt das hierfür erforderliche Wissen mit. Schnell kann die gestellte Aufgabe den Zeit- und Kostenrahmen sprengen. Ein Energieberater kann bei der Beantwortung der Fragen helfen und oftmals sogar die Umsetzung der Modernisierung vollständig übernehmen.

Und was muss in einem Energiegutachten stehen bzw. gibt es Mindestbestandteile?

Im Wesentlichen entscheidet der Energieberater, was in einem Energiegutachten stehen soll. Allerdings gibt es Anforderungen zu den Inhalten des Energiegutachtens, wenn Sie mit der Unterstützung eines Förderprogramms energetisch sanieren möchten.

Die Richtlinie über die Förderung der Energieberatung vor Ort, – ausgegeben vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) – fordert beispielsweise, dass alle Teile der Gebäudehülle wie Dach, Fassade, Fenster und die Anlagentechnik mit Heizung und Warmwasserbereitung dargestellt werden.

Gibt es eine Frist, wie lange solch ein Gutachten „gültig“ ist?

Eigentlich nicht. Denn die Verbesserungsempfehlungen basieren auf bauphysikalischen Berechnungen, die solange gültig sind, wie sich das Haus nicht verändert.

Die Gültigkeit der Empfehlungsaussagen kann jedoch durch drei Veränderungen eingeschränkt werden:

  1. neue Gesetze und Verordnungen, welche beispielsweise eine neue Mindestdämmung vorgeben,
  2. die Umsetzung einer Sanierungsmaßnahme, womit sich die grundlegenden Ausgangsanalysen und damit die Empfehlungen verändern und
  3. Neuerungen beim Stand der Technik, z. B. bei Heizungsanlagen, wodurch andere Empfehlungen auszusprechen wären.

Woran erkenne ich ein gutes Energiegutachten?

Ein Gutachten sollte immer unabhängig und ohne Vorgaben herstellerspezifischer Bauelemente erstellt sein und das betrachtete Objekt individuell darstellen. Es sollte über eine Zusammenfassung der wesentlichen Empfehlungen mit Erläuterung der Maßnahmen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und möglicher Energieeinsparungen verfügen. Alle im Gutachten dargestellten Maßnahmen sollten dem Stand der Technik entsprechen, d. h. den Vorgaben der EnEV, der KfW und den wesentlichen DIN-Normen.

Was gehört zu einer umfassenden Beratung dazu?

Das wichtigste einer guten Beratung ist das persönliche Gespräch vor Ort, bei dem nicht nur das Gebäude betrachtet sondern auch die Vorstellungen und Wünsche des Kunden aufgenommen werden. Weiterhin sollten vorab Punkte wie der Beratungsumfang, die Beratungskosten und die Erstellung eines Angebotes geklärt sein. Nach Erstellung des Energieberatungsgutachtens sollten auch die Ergebnisse bzw. der Inhalt ausführlich besprochen werden.

Wichtig ist auch die Neutralität der Beratung. Sie sollte von Folgeaufträgen unabhängig sein und keine herstellerspezifische Auslegung der Sanierungsmaßnahmen beinhalten.

Wie lange dauert eine Beratung?

Ein Erstgespräch vor Ort und eine Bestandsaufnahme dauern etwa eine bis zwei Stunden – abhängig vom Objekt und der Sachlage. Aber auch längere oder mehrere Gespräche sind durchaus möglich. Der Gesamtberatungszeitraum dauert erfahrungsgemäß zwischen einem bis sechs Monate. Das kommt durch den Zeit- und Klärungsbedarf, den solch eine geplante Sanierung in Anspruch nimmt.

Wie finde ich einen professionellen Energieberater?

Die Förderinstitutionen geben mit ihren Richtlinien für eine Förderung gute Kriterien für einen geeigneten Energieberater vor und stellen eigene Expertenlisten zur Verfügung. Folgende kann ich empfehlen:

1.     dena-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes

2.     Liste des Landesfachverbands der Bau- und Energieberater

3.     ENEO-Energieberater

Hilft er auch bei der Umsetzung der Maßnahmen?

Je nach Qualifizierungsgrad und Berufsspektrum kann ein Energieberater auch eine vollständige Umsetzung anbieten.

Welche Ausbildung sollte ein Energieberater haben? Gibt es eine Zertifizierung?

In der Regel sind ein technisches Studium, eine Energieberaterzertifizierung, Berufspraxis und der Nachweis von Weiterbildungen erforderlich. Die genauen Anforderungen zur Listung in den Expertenlisten geben die BAFA, die dena und die KfW vor.

Wie teuer ist die Erstellung eines Gutachtens?

Abhängig von der Komplexität des Gebäudes ist bei einem Einfamilienhaus in etwa mit Kosten zwischen 1.500 bis 2.000 EUR inkl. MwSt. zu rechnen.

Unterstützt mich der Staat mit Förderungen?

Sanierungsmaßnahmen werden bis zu 90% vom Staat gefördert über Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen. Hierzu berät der Energieberater gern.

 

Zur Person: Dipl.-Ing. Peter-Henning Bigge ist studierter Energietechnikingenieur und hat sich 2003 im Bereich der energetischen Modernisierungsberatung selbständig gemacht. Als erfahrener Bausachverständiger und Planer berät und begleitet er kleine- und mittelständische Unternehmen, Industrie und Verwaltung bei der energetischen Optimierung ihrer Objekte.

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